8. August, Krankenbett

8. August, Krankenbett

2 Tage vor meiner Ankunft in Graz, habe ich mich als Besucher im Vinzi-Dorf angemeldet. Ich will ja keinem Bedürftigen das Bett wegnehmen. Es ist aber ein Container frei und ich werde als Gast empfangen, der die Ruhe bitter nötig hat. Im Container ist es zwar noch einmal um 10 Grad heißer als draußen, dennoch erhole ich mich schnell von meinem Einbruch.

8. August, Zerstört

8. August, Zerstört

Die Hitze hat mich kaputt gemacht. Es musste einmal soweit kommen. Kopfweh, Gliederschmerzen, erhöhte Temperatur, Magenverstimmung. Vor bald drei Wochen bin ich aufgebrochen, zolle der Hitze, der unregelmäßigen Ernährung und dem Schlafmangel Tribut. Muß mich nach einem Bett umsehen. Selbstversuch Abbrechen oder Aussetzen ist keine Option.

8. August, Graz

8. August, Graz

Angekommen in der Stadt der Verbote. Kein Alkohol am Hauptplatz. Kein Aufenthalt im Bahnhof, ohne gültiges Ticket. Kein Schlafen im Stadtpark. Eingeschränkte Straßenmusik. Das Bettelverbot ist zwar aufgehoben, trotzdem ist Graz ein hartes Pflaster für Menschen, die wenig haben. Verbote statt Kreativität. Beschränkte Politik. Für Lösungen müssen andere sorgen.

7. August, Schäfer-Familie

7. August, Schäfer-Familie

Hans mit seinem Sohn Luis und seiner bezaubernden Frau Mingo. Der Aufenthalt bei ihnen hat mir Kraft gegeben, die kommenden Tage der Hitze zu überstehen.

7. August, Der jüngste Schäfer

7. August, Der jüngste Schäfer

Der jüngste Sohn von Hans ist mit seinem knapp eineinhalb Jahren schon ein besserer Hirte, als ich es je sein könnte. Zwischen Schafen und Hunden findet er traumwandlerisch seinen Weg und wirkt dabei erstaunlich “erwachsen”. Während ich den Straßenverkehr anhalte, dirigiert er mit seinem Stöckchen die letzten Nachzügler.

7. August, Die Herde

7. August, Die Herde

Wenn die Herde einmal in Bewegung gerät, gibt es kein Halten mehr. Hans lernt mich für ein paar Stunden als Hilfs-Schäfer an. Ich bin denkbar untalentiert. Doch mit vereinten Kräften führen wir die Schafe zu einem neuen Futterplatz.

7. August, Hans

7. August, Hans

30 Jahre lang ist Hans mit einer Herde von über Tausend Schafen durch Österreich gezogen. In der Nähe von Güssing ist er jetzt mehr oder weniger sesshaft geworden. Mit den Schafen gibt es aber immer noch genug Arbeit. Hans ist ein begnadeter Schäfer und Sänger jiddischer Lieder.

7. August, Südburgenland

7. August, Südburgenland

Zu Besuch beim letzten Wanderschäfer Österreichs. Hans Breuer lebt hier mit seiner Familie, Schäferhunden und einigen hundert Schafen.

6. August, Schönheit…

6. August, Schönheit…

…ist eine Frage der Perspektive.

6. August, Jeder Dritte

6. August, Jeder Dritte

Irgendwo im Burgenland.

6. August, Ausblicke

6. August, Ausblicke

Schweißgetränkt erreiche ich eine Anhöhe. Ein Ausblick ist mehr als ein Überblick. Über die Landschaft wandert der Blick nach Innen, die Augen klappen sich ein und im Dunkel rauschen Bäche.

6. August, Franziskus-Gemeinschaft

6. August, Franziskus-Gemeinschaft

Ora et labora. Um sechs Uhr morgens wird gebetet, dann geht es an die Arbeit. Die Gluthitze ist bald vergessen, eine sagenhafte Ruhe liegt über dem Kalvarienberg. Der beste Ort, um in Umgebung freundlicher Menschen, für ein paar Momente innezuhalten und durchzuatmen. Danke für die Gastfreundschaft.

5. August, Erster Regen

Ich finde bei der Franziskus-Gemeinschaft in Pinkafeld Zuflucht. Ein Sturm zieht auf. In der Kirche wurde für Regen gebetet. Endlich ist es soweit. Die ersten Regentropfen, seit ich aufgebrochen bin.

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5. August, Straßenrand

Nicht sehr erbauend!

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5. August, Never give up

Motto des Tages!

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5. August, Mosaik

Die Asphalt- Schmelze läßt mich den halben Straßenrand mitnehmen.

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5. August, Asphalt Cowboy

Der Asphalt schmilzt unter meinen Füßen…

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4. August, Die Nacht davor

Vor der Ruhe in der Einschicht. Nachtleben in Eisenstadt. Werde Willkommen geheißen und zum Trinken eingeladen, bis mir der Schädel brummt. Morgen ist alles wieder herausgeschwitzt.

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4. August, Helmut

Mein Gastgeber im malerischen Aschau. Kein Aussteiger im herkömmlichen Sinn. Ein Einsteiger. Einsteigen in die Ruhezone. Die wunderbare Entdeckung der Langsamkeit. Warten, bis der Schatten nachkommt.

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4. August, Bad im Freien

Kein Luxus. Großer Genuss. Kreativität ist der eigentliche Komfort.

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4. August, Einschicht

Auf einem Einschichthof im Burgenland gelandet. Helmut hat mich aufgenommen. Ort der Ruhe, fast schon meditativ. Kein Internet. Wunderbar. Deshalb heute keine Neuigkeiten. Wie befreiend das klingt!

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3. August, Eisenstadt

3. August, Eisenstadt

Schloß Esterhazy, und was noch? Fühle mich als verirrter Tourist. Mit Eisenstadt bin ich noch nie so ganz warm geworden. Wird wohl wieder eine Nacht im Park werden. Oder kommt doch noch alles ganz anders?

3. August, Zuckerl

3. August, Zuckerl

Da soll noch einer sagen, man würde als mittelloser Tramp im Wohnpark Fontana schief angeschaut werden. Das Gegenteil ist der Fall. Mit einem leckeren Zuckerl im Gepäck ziehe ich weiter. Von wegen Ghetto im Grünen. Ein Ort der Spendenfreudigkeit.

3. August, Magna Zentrale

3. August, Magna Zentrale

Ich schau doch einfach mal beim Frank vorbei. Meine Wasservorräte sind zu Ende gegangen, mein Proviant auch, eine Dusche wäre jetzt genau das richtige.

3. August, Security

3. August, Security

Hauseigene Security gibt es natürlich auch. Vorsichtshalber gehe ich mal im Schatten in Deckung. Ein kleiner Schnorrer im Wohlhabenden-Ghetto, man muß auf der Hut sein.

3. August, Bananas

3. August, Bananas

Wieder habe ich das Gefühl durch eine Geisterstadt zu spazieren. Wohnt überhaupt jemand in diesen Villen? Im Golfclub hat man ein Herz für den geldlosen Wanderer und steckt ihm zwei Bananen zu.

3. August, Wohnpark Fontana

3. August, Wohnpark Fontana

Oberwaltersdorf. Ein Ghetto im Grünen. Das “Palm Springs” Niederösterreichs. Made by Frank Stronach. 170 Hektar, ein künstlicher See mit Kies- und Sandstrand, ein nobler Golfclub, neo-klassizistische Villen im Südstaaten-Stil. Ob ich hier was abstauben kann?

3. August, Alles möglich

3. August, Alles möglich

Alles ist möglich. Gehen.

2. August, Pick of the day

2. August, Pick of the day

Wieder kein Brot. Dafür wunderbare Eiswaffeln. Mein perfektes Frühstück in Baden.

2. August, Sprenkelanlage

2. August, Sprenkelanlage

Nachtlager im altehrwürdigen Kurpark in Baden. Den Parkwächtern entwischt, in süße Träume versunken. Am Morgen schlägt das Imperium zurück. Die Sprenkelanlage weckt mich mit nassen Grüßen.

2. August, Baden

2. August, Baden

Vor dem Casino in Baden. Kein Geld, um es zu verspielen. Ich habe nichts zu verlieren und alles zu gewinnen.

2. August, Goodbye Donau

2. August, Goodbye Donau

An deinen Ufern habe ich mich immer sicher gefühlt.

2. August, Akkus laden

2. August, Akkus laden

Danke Sonja, für die spontane Gastfreundschaft und für’s Akku laden. Schönen Sommer euch!

1. August, Bitte

1. August, Bitte

Beim Verlassen der Stadt begegnet mir dieser Aufkleber. Diese Bitte der Stadt Wien genießt meine volle Unterstützung!

1. August, Moskito-Pavillon

1. August, Moskito-Pavillon

Unter freiem Himmel, mit Blick auf die Sterne, von Mücken geschützt, am Wagenplatz AKW Lobau. Vielleicht das schönste Nachtlager bisher. Gastfreundschaftliche Atmosphäre. Wagenplätze können Oasen sein. Ein Lebensstil, der Spaß und Sinn macht. Projekte, die unterstützt werden sollten.

1. August, Eier mit Blauschimmelkäse

1. August, Eier mit Blauschimmelkäse

Danke Boris, für die hervorragenden Eier mit Blauschimmelkäse und Tabasco. Sie haben meinem Tag die nötige Schärfe verliehen.

1. August, Leaving Vienna

1. August, Leaving Vienna

Wien hat mich mehrere Tage aufgenommen. Intensive Begegnungen, hartes Pflaster und weiches Nachtlager. Zeit, weiterzuziehen. Einen Heiligenschein verdienen jene, die sich um mich und andere gesorgt haben, ohne sich eine Gegenleistung zu erwarten. Die wichtigen Dinge sind immer geschenkt, quasi gratis, aber nie umsonst.

1. August, Boxenstopp

1. August, Boxenstopp

Flüssigkeit ist mein Treibstoff. Um meine Saft-Vorräte aufzufüllen, mache ich bei der Wagentruppe “Treibstoff” in Wien Station. Das ist eine Gemeinschaft aus Menschen, die sich für ein Leben auf Rädern entschieden hat. Es geht viel um den bewussten Umgang mit Ressourcen und um einen Freiraum, der mit Ideen, Kreativität und Kunst bevölkert wird. Zum Thema gibt es auch den sehenswerten Film “Treibstoff”.

1. August, Nachhaltigkeit

1. August, Nachhaltigkeit

Damit keine Missverständnisse aufkommen. Mein Selbstversuch ist kein Nachhaltigkeits-Konzept, zumindest nicht in erster Linie. Es geht mir um die Begegnungen mit Menschen. Was ich tue, kann vielleicht zu nachhaltigerem Denken anregen, nicht mehr und nicht weniger. Ich glaube aber schon, dass es mehr Sinn macht, ohne eigenen Cent durch Österreich zu reisen, als Geld und Gold zu horten und dem Zaster bei der fröhlichen Vermehrung zuzusehen. Geld arbeitet nicht, es gibt immer Einen, der die Zeche zahlen muss.

31. Juli, Dankbarkeit

31. Juli, Dankbarkeit

Vor einigen Monaten hörte ich den Vortrag eines Mönches, der über Dankbarkeit sprach. Ich verstand, was er sagen wollte, empfand aber diese Dankbarkeit nicht. Heute, mitten in der Stadt, sehe ich mir seit langem mein Spiegelbild wieder etwas genauer an. Und da schlägt sie ein, die Dankbarkeit, wie ein Blitz am helllichten Tag. Ich bin dankbar für mein Leben. Für die Privilegien, mit denen ich aufgewachsen bin. Für meine Gesundheit. Für die Bildung, die ich mitbekommen habe. Und ich sage mir: “Sei kein Depp, sei dankbar für die Geschenke, die du bekommen hast, gebe weiter, was du kannst und mach verdammt noch mal etwas aus deinem Leben!”

31. Juli, Gruft

31. Juli, Gruft

Eine Nacht in der Gruft verbracht. Die Gruft ist ein Zufluchtsort für Obdachlose. Ziel ist es, sie wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Ich begegne Menschen, die vom Leben stark gezeichnet sind. Einige sind gestürzt, aber noch nicht gebrochen. Jeden Morgen stehen sie wieder auf. Dieses Aufstehen erfordert unendlich viel Kraft. Ich empfinde tiefen Respekt vor den Menschen, die hier Zuflucht finden, und vor den Betreuern und Sozialarbeitern, die hier unendlich wichtige Arbeit leisten. Wenn ich es selbst nicht erlebt hätte, ich würde nicht glauben, dass es Plätze wie diesen hier gibt. Ein Ort, an dem in all der Tragik, die Menschlichkeit so konkret und klar erfahrbar wird, dass es mir den Atem nimmt.

31. Juli, Helden

31. Juli, Helden

Heldenplatz. Wer sind die wirklichen Helden? Niemals die, die im Scheinwerferlicht stehen, Reden schwingen und täglich über die Fernsehschirme flimmern. Früher waren Helden für mich Skifahrer und Autorennfahrer. Heute, sind das für mich nur noch merkwürdige Figuren, die auf Podeste gehoben werden und in Champagner duschen. Wirkliche Helden stehen selten im Rampenlicht. Ich bin ihnen schon begegnet. Meist arbeiten sie im Verborgenen, der breiten Öffentlichkeit völlig unbekannt. Helden können Menschen sein, die in Altersheimen, Krankenhäusern, Flüchtlingslagern oder Obdachlosenheimen arbeiten. Ihr Lohn ist nicht der Ruhm. Ihre Kraft schöpfen sie aus gelebter Mitmenschlichkeit.

31. Juli, Neue Regel

31. Juli, Neue Regel

Ich bin nun seit 10 Tagen ohne eigenes Geld durch Österreich unterwegs. Nur am ersten Tag, in Salzburg, fragte ich nach einem Euro. Seitdem bitte ich die Menschen, die mir begegnen, um Brot, Wasser, Schlafplatz. Trotzdem habe ich auch Geldspenden erhalten. Rund 10 Euro sind bereits zusammen gekommen. In Wien sehe ich täglich unzählige Bettler. Ich habe für mich eine neue Regel aufgestellt. Komme ich an einem Bettler vorbei, gebe ich her, was ich selbst bekommen habe. Das tue ich nicht, um irgendwie gut dazustehen. Es fühlt sich für mich einfach richtig an.

31. Juli, Waschgelegenheit

Karlsplatz.

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30. Juli, Ende einer schlaflosen Nacht

30. Juli, Ende einer schlaflosen Nacht

Im Morgengrauen rückt die Exekutive an. Rund 100 Menschen demonstrieren friedlich vor dem Anhaltezentrum gegen die Abschiebung der 8 Flüchtlinge aus Pakistan, die im Servitenkloster Unterschlupf gefunden hatten. An die 200 Polizisten sprengen den Kreis der Demonstranten, lösen die Blockade auf, sperren das Gelände ab, schaffen Platz für den Abschiebe-Bus. Wenige Minuten später, sind die Flüchtlinge abtransportiert. Zurückbleiben Verzweiflung und Enttäuschung. Am Boden zerstört. Mit zitternden Knien, ziehe ich weiter. Wenn ich ohne Geld unterwegs bin, ist das meine freie Entscheidung. Über die Menschen, an deren Seite ich diese Nacht war, wird gnadenlos hinweg entschieden.

30. Juli, Fastenbrechen

30. Juli, Fastenbrechen

Ein kurzer Moment der Ruhe und Einkehr, im Trubel der aktuellen Ereignisse. Noch in dieser Nacht sollen die 8 Flüchtlinge, die zur Stunde im Anhaltezentrum ausharren, nach Pakistan abgeschoben werden. In ein instabiles Land, wo ihnen Verfolgung und Gefängnis droht. Am heißesten Tag des Jahres, mitten im Fastenmonat Ramadan,   schlägt die Staatsgewalt mitleidlos zu. Im Servitenkloster sitzen wir am Boden und brachen nach Sonnenuntergang gemeinsam das Fasten. Eine große Ehre für mich, von den Flüchtlingen und ihren Unterstützern aufgenommen zu werden. Eine Schande, ein Unrecht, was den Hilfesuchenden im stolzen Wohlstandsland widerfährt.

29. Juli, Gebet und Protest

29. Juli, Gebet und Protest

Die Flüchtlinge nehmen mich im Servitenkloster auf, während ihnen selbst die Abschiebung droht. Ich begegne Männern aus Pakistan, Afghanistan und Bangladesch. Traumatisierte Menschen, die um ihre Würde kämpfen. Was ihnen bleibt, ist Hoffnung und Gebet und der friedliche Protest. Mit Gott habe ich es persönlich nicht so, wenn es ihn aber gibt, dann wünsche ich mir, dass er mit denen sei, die mutig für ihre Menschenrechte kämpfen und nicht mit jenen, die sich vor lauter Gier und Feigheit in ihren Wohlstands-Festungen verbarrikadieren.

29. Juli, Refugee Camp

29. Juli, Refugee Camp

Kulturschock. Vom Villenviertel in den Albtraum. Ich mache im Servitenkloster Halt. Will die Flüchtlinge besuchen, die hier im März untergekommen sind. Doch am Sonntag überstürzen sich die Ereignisse. 8 Flüchtlinge werden festgenommen, die Abschiebung droht, helle Aufregung. Mein Selbstversuch ist vergessen, auf einmal ist da nur noch die gnadenlose Realität der Flüchtlinge. Wir verbringen eine schlaflose Nacht im Kloster und auf der Strasse, mehr dazu später.

29. Juli, Cottageviertel

29. Juli, Cottageviertel

Wien-Döbling. Villenviertel. Eine der reichsten Gegenden Wiens. Wirkt wie eine Geisterstadt. Ich wandere ans Luxus-Burgen vorbei, kein Mensch zu sehen, die Augen der Überwachungskameras folgen mir. Ich läute an den stark gesicherten Toren, meistens vergebens. “Haben Sie ein Stück Brot für mich?” Die Antwort ist verblüffend und erhellend zugleich. “Brot haben wir keines im Haus, aber Sie können ein Stück Kuchen haben!”

29. Juli, Tag der Hitze

29. Juli, Tag der Hitze

Ultimative Hitze. Augen zu und durch. Brauche Schatten.

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